Geschrieben am 05.06.12 um 11:06 Uhr.
Rietberg/Detmold. Es ist das dritte große Ausstellungsprojekt,dass das LWL-Freilichtmuseum Detmold in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Rietberg verwirklicht hat. Nach der Ausstellung zum Rietberger Hofmaler und Möbelfabrikanten Philipp Bartscher in Detmold im Jahre 2003, Rietbergs "schönen Frauen", die 2007 unter dem Titel "Mach mich schön! Frauenporträts aus den 1930er Jahren" zunächst im Freilichtmuseum, dann 2008 zur Landesgartenschau in Rietberg zu sehen waren, kommen jetzt die "starken Männer" zurück in die Emsstadt.
100 historische Porträts von Rietberger Männern, die ab 1930 und noch in den ersten Kriegsjahren in dem 1891 errichteten Rietberger Fotoatelier Joseph Kuper und Nachfolger entstanden sind, werden ab Samstag, dem 16. Juni 2012, im Ratssaal des Alten Progymnasiums und im Heimathaus Rietberg zu sehen sein.
Wie schon die Frauenbilder, wurden auch die Männerbilder im Jahr zuvor im Detmolder Freilichtmuseum gezeigt. Einen reizvollen Kontrast bietet eine Schau aktueller Rietberger Männerbilder, die Gabi Pagenkemper (Fotostudio Leweling) in den vergangenen Monaten parallel zum Museumsprojekt angefertigt hat und die unter dem Titel "Mannigfaltig" im Kreuzgang des ehemaligen Franziskanerklosters (Eingang Jugendwerk) zu sehen sind. Die dankbar spannungsreiche Gegenüberstellung historischer und aktueller Porträts in ihrer völlig unterschiedlichen Ästhetik war auch schon Teil des Konzepts von "Mach mich schön" 2007/2008. So ist das moderne Männerbild sicher facettenreicher und lässt sich kaum mehr auf ein Attribut wie "stark" reduzieren. Obwohl nicht ohne poetische Qualität, so ist die Haltung der vor 80 Jahren Fotografierten durchweg statisch, ist eher regungs- und emotionslos.
Ein wesentlicher Unterschied zur modernen Fotogalerie aber besteht darin, dass die historischen Aufnahmen wiederum in mühsamer Kleinarbeit identifiziert werden mussten. Dies gelang zum allergrößten Teil erneut in bewährter Zusammenarbeit von Stadtarchiv Rietberg, Heimatverein Rietberg und dem Rietberger Stadtanzeiger, der im Juli und August 2008 für eine öffentliche Such- und Identifikationsaktion mehr als 100 Porträts von Rietberger Männern in Kleinformat abgedruckt hatte.
Die Ergebnisse flossen in den Katalog zu den historischen Rietberger Männerporträts ein, der schon April 2011 zur Ausstellung in Detmold erschienen ist. Aber längst nicht alle Rätsel sind gelöst. Einiges klärte sich erst während der Ausstellung im Freilichtmuseum. Weitere Neuigkeiten erhoffen sich alle Beteiligten jetzt von der Präsentation in der Emsstadt selbst.
Die Ausstellung und das schöne Begleitbuch sind ohne die Leistung des Münsteraner Fotografen Bertold Socha, der als Kurator wie schon bei der Frauenausstellung 2007/2008 die Auswahl aus dem rund 2.500 Glasnegative zählenden Bestand Kuper und die langwierige Bearbeitung in der Dunkelkammer vorgenommen hat.
Ergänzt wird der Katalog durch einleitende Aufsätze von Dr. Jan Carstensen, Leiter des LWL-Freilichtmuseums Detmold, einen Beitrag zur Geschichte der frühen Fotografie in Westfalen von Dr. Volker Jakob, Referent am LWL-Medienzentrum für Westfalen, sowie vom Rietberger Stadtarchivar Manfred Beine zum Vereinswesen in Rietberg im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.
Zur Ausstellungseröffnung am Samstag, dem 16. Juni, um 11 Uhr, im Ratssaal des Alten Progymnasiums sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Gemeinsam werden auch die Ausstellungsteile im Heimathaus und im Kreuzgang des Franziskanerklosters (Eingang Jugendwerk Rietberg) besucht. Zu sehen sind die Ausstellungen "Starke Männer" und "Mannigfaltig" bis zum 8. Juli 2012, jeweils von Dienstag bis Freitag sowie am Sonntag von 14.30 Uhr bis 17.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Das Ausstellungsprojekt wird ergänzt durch gemeinsam mit dem Heimatverein Rietberg veranstaltete Vorträge. Am Mittwoch, 4. Juli 2012, spricht Manfred Beine um 20 Uhr im Ratssaal des Alten Progymnasiums über das weitgehend männlich bestimmte Rietberger Vereinswesen im 1. Drittel des 20. Jahrhunderts. In der Woche zuvor, am 27. Juni, referiert Dr. Volker Jakob am selben Ort um die gleiche Zeit zur Geschichte der Fotografie in Westfalen. Beide Vorträge basieren auf reichem Bildmaterial.
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