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Rieti für Haiti - Jamie-Sophie (7) möchte Kindern im Erdbebengebiet helfen

Geschrieben am 21.01.10 um 12:27 Uhr.  

Verena Postler, Jamie-Sophie Postler und Bürgermeister André Kuper werben für die Spendenaktion "Rieti für Haiti",

Rietberg. Sie macht sich große Sorgen, die kleine Jamie-Sophie Postler. Die 7jährige Rietbergerin beherrscht in diesen Tagen vor allem eine Frage: Wie geht es ´den Menschen in ihrer Geburtsstadt. Wie ihren leiblichen Eltern? "Wir haben noch keine Informationen, ob die Beiden am Leben sind", sagt Adoptivmutter Verena Postler.  Sie holte Jamie Sophie im April 2003 aus den Slums der Hauptstadt Port-au-Prince nach Deutschland. Und weiß, in welch erbärmlichem Zustand das Elendsviertel Cité Soleil auch außerhalb der jetzigen Naturkatastrophe ist. "Da kommen in diesen Tagen die alten Bilder wieder an die Oberfläche, es ist schon schrecklich. Das ist ein vergessenes Land." Sie erinnert sich an die Zeit der Adoption: "Ich war damals im Februar für 10 Tage dort und wollte Jamie dann mitnehmen. Aber mit ihrem Paß stimmte etwas nicht. Ich musste ohne sie zurück, das war ein traumatisches Erlebnis. Dieses unterernährte Kind im Waisenhaus in diesen Zuständen lassen zu müssen." Zwei Monate später nahm das Adoptionsverfahren ein gutes Ende. Seither engagiert sich Verena Postler, die Mutter von insgesamt fünf Adoptivkindern, unter anderem in der Haiti-KInderhilfe und ist erleichtert, dass mittlerweile Kontakt zu den Bekannten vor Ort in Port-au-Prince telefonisch wenigstens sporadisch möglich ist. "Alle sind am Leben, auch die betreuten Kinder." Gleiches gilt für die Kleinen aus jenem Waisenhaus, in dem auch Jamie-Sophie einst untergebracht war. Es gebe verletzte Mädchen und Jungen, aber niemand sei umgekommen. 

 An das Heim senden die Postlers, die seit vier Jahren in Rietberg in der Kernstadt leben, alljährlich Fotos und Grüße, auch an die leiblichen Eltern, die "Bauchmama", wie die 7jährige sagt. Doch Nachricht über deren Verbleib gibt es bisher nicht. Verena Postler hat mittlerweile eine internationale Suchanfrage gestartet, auch um Jamie die Ungewissheit zu nehmen. Die Schülerin der Dasshorst-Einrichtung ist darüber froh, und dennoch nicht glücklich. "Ich möchte etwas tun, ich möchte sammeln für die Kinder in den Waisenhäusern. Die haben doch gar nichts mehr, nichts zu essen und kein Spielzeug." Mit diesem Ansinnen wandte sich die Kleine an ihre Adoptiveltern und natürlich sagten die sofort Unterstützung zu. Ursprünglich hatte Verena Postler Jamie gar nichts sagen wollen vom Unglück auf Haiti, "doch als dann bekannt wurde, wie schlimm es wirklich ist, musste ich es natürlich tun, ehe andere, zum Beispiel in der Schule ihr irgendwas erzählen." Seither verfolgt  das Kind Nachrichten oder schaut mit ihrer "Herzmama" im Internet.

 Konkrete Vorstellung hat sie, wie sie helfen kann und wie die Rietberger unterstützen können. Aktionen machen in der Schule, zum Beispiel basteln und die Dinge dann verkaufen, sammeln gehen in ihren Vereinen, Jamie-Sophie tanzt begeistert bei den Kindergruppen des  TuS Viktoria, geht in die Kindergruppe im Jugendhaus Südtorschule und singt im evangelischen Kinderchor. Schulkollegen könnten Kekse backen und man könnte auch beim Rosenmontagskinderzug Besucher um Spenden bitten.

 Unterstützung kriegt die aufgeweckte Kleine von ihren Geschwistern, die alle ihr Taschengeld geben möchten, und Unterstützung vor allem auch von Bürgermeister André Kuper. "Es gibt keine Zufälle", weiß Verena Postler aus Erfahrung und schildert den Kontakt. "Ich habe in dieser Woche im Rathaus bei ihm angerufen um zu fragen, was man tun kann und darf. Und exakt zur gleichen Zeit war er unterwegs und hat per Telefon recherchiert, ob es in Rietberg jemanden aus Haiti gibt." Kuper: "Die Bilder in den Nachrichten sind bewegend, machen traurig und fordern heraus, unbedingt Hilfe zu leisten. Man kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, hier ist jeder gefordert. Und hier haben wir auch einen direkten  Ansatz, ganz konkret helfen zu können." Kuper nach einem langen Gespräch mit Jamie-Sophie: "Ich unterstütze das Kind gerne und hoffe und appeliere an unsere Bürgerschaft, dass wir ganz, ganz viele Rietberger und Betriebe motivieren können, die Hilfsaktion zu unterstützen, sei es durch Sammlungen bei Veranstaltungen, in den Betrieben, in den Vereinen und Verbänden, aber auch durch besondere Aktionen. Vielleicht ist es möglich, dass hier auch wieder das Herz aller Rietberger so wie bei der Landesgartenschau gemeinsam schlägt."

 Für Jamie-Sophie hat der sprichwörtliche Ball den sie ins Rollen gebracht hat, sogar schon einen Namen "Rieti für Haiti" sagt sie mit Blick auf das gerade bei Kindern so beliebte Stadtmaskottchen und hofft, dass der Glückskäfer auch ihrer Aktion solches bringt. Adressaten für mögliche Spenden sind die Aktiven der Haiti-Kinderhilfe. "Hier geht jeder Cent direkt zu den Betroffenen", weiß Verena Postler. Der gemeinnützige Verein wurde 1993 von Adoptivfamilien gegründet,  unterstützt unter anderem Waisenhäuser und Kliniken und rüstet Schulen mit Gedecken aus, damit die Kinder sich bei Schulspeisungen nicht länger durch das gemeinsame Essen aus einem Topf mit Typhus und anderen Infektionskrankheiten anstecken. Ein Sonderkonto ist eingerichtet bei der Dresdner Bank in Rietberg, Kontonummer 470012002, Bankleitzahl 47880031, Kontoinhaber Postler/Haiti-Kinderhilfe e.V. Verena Postler steht unter der Rufnummer 0173-2838630 auch für Rückfragen und Informationen gerne zur Verfügung. Infos gibt es auch im Internet unter www.Haiti-Kinderhilfe.de.



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