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Wirtschaftsdiskussion des Lokalen Bündnis für Familie im Kreis Gütersloh

Geschrieben am 10.03.10 um 18:43 Uhr.  

Rietberg/Gütersloh. Ist abzusehen, dass der Mangel an Fach- und Führungskräften zur Wachstumsbremse für den Wirtschaftsstandort Ostwestfalen wird? Wie kann das wirtschaftliche Potenzial Ostwestfalens trotz dieser Entwicklungen gesichert werden? Was können Unternehmen und Kommunen konkret tun, um sich für Auswirkungen der demografischen Entwicklung zu rüsten?

Diesen und weiteren Fragen gingen die Teilnehmer der gestrigen Fachveranstaltung im Ratsaal des alten Progymnasium in Rietberg, ausgerichtet vom Lokalen Bündnis für Familie im Kreis Gütersloh, einer Kooperation der Bertelsmann Stiftung und dem Kreis Gütersloh, sowie der Wirtschaftsförderung der Stadt Rietberg in Zusammenarbeit mit der Volksbank Rietberg e.G., aus unterschiedlichsten Perspektiven nach. 

In der gut besuchten Veranstaltung erläuterte zunächst Dr. Ole Wintermann, Projektverantwortlicher im Programm "Zukunft global denken" der Bertelsmann Stiftung, die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Region Ostwestfalen Lippe: "Wir haben es mit einer zunehmenden Änderung der Altersstruktur der Gesellschaft, Fachkräftemangel, Mangel an Nachwuchskräften, einem kollektiven Ausscheiden älterer Arbeitnehmer und dem Verlust damit verbundener Kompetenzen zu tun - das stellt sowohl Wirtschaft als auch Kommunen vor immer größere Herausforderungen."

Nach Ansicht von Fred Kupczyk, Geschäftsführer der GT Aktiv GmbH, der Arbeitsvermittlung für den Kreis Gütersloh, erfordere dies eine sehr große Flexibilität von allen Seiten. "Wir ziehen zwar alle am gleichen Strang, müssen aber sicherstellen, dass nicht in verschiedene Richtungen gezogen wird", so Kupczyk. Deshalb sollten einerseits Arbeitsplätze nach Möglichkeit flexibilisiert werden, andererseits aber auch das Betreuungsangebot für Kinder auf den realen Anforderungen angepasst und insbesondere die Randzeitenbetreuung ausgebaut werden. 

Besonders eklatant sei der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen, so Jens Alberti, Pflegedirektor des Klinikums Gütersloh gGmbH, dem aktiv entgegengewirkt werde."?Mit unserem ohnehin schon sehr familienfreundlichen Personalkonzept haben wir die Fluktuationsrate gesenkt und durch die Integration weiterer familienfreundlicher Maßnahmen werden wir es insbesondere unseren im Schichtdienst arbeitenden Mitarbeitern noch besser ermöglichen, Familie und Beruf zu vereinbaren, da wir zukünftig Plätze in einer Kinderbetreuungseinrichtung anbieten werden, die auch Nachts und an den Wochenenden zur Verfügung steht. Wir sichern uns hierdurch eindeutige Wettbewerbsvorteile auf dem Arbeitsmarkt."

Auch Wolfgang Rieländer, Geschäftsführer und Inhaber der Max Lüning GmbH & Co. KG Rietberg hat positive Erfahrungen durch sein mitarbeiterorientiertes Personalkonzept gemacht. "Dieses beruht auf drei Säulen, die erste ist die Familie der Mitarbeiter, die zweite betrifft das Aus- und Weiterbildungskonzept und die dritte Säule stellt eine Balance her zwischen Körper, Geist und Seele nach dem Motto:?In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist. Eine geringe Fluktuation, gut ausgebildete und ausgeglichene Mitarbeiter seien das Ergebnis. Das spüren auch die Kunden. So wird mitarbeiterorientierte Personalpolitik zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil." Das beweise auch eine Edeka Umfrage aus dem Jahr 2010 zur Kundenzufriedenheit im Groß- und Einzelhandel, bei der die Elli-Märkte an zweiter Stelle rangierten, so Rieländer weiter. "Unsere Mitarbeiter haben den Kopf frei für ihre Arbeit, weil wir ihnen ermöglichen, private und berufliche Anforderungen gut in Einklang zu bringen und diesen auch in schwierigen Situationen mit umfangreichen Hilfestellungen zur Seite stehen. Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt." 

Die Gründe für die Einführung familienfreundlicher und mitarbeiterorientierter Personalpolitik ergeben sich aus der konkreten wirtschaftlichen Notwendigkeit, die Motivation und Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern zu sichern und die Attraktivität des Unternehmens für talentierte Bewerber gerade in diesen Zeiten des demographischen Wandels zu erhöhen. So habe dies auch eine Studie der Prognos AG aus dem Jahr 2002 über die "Betriebswirtschaftlichen Effekte familienfreundlicher Maßnahmen" den wirtschaftliche Nutzen solcher Angebote belegt. Die Gütersloher Unternehmensberaterin Ulla Aulenbacher-Werche verdeutliche in diesem Zusammenhang: "Wenn Unternehmen familienfreundliche, und überhaupt, menschenfreundliche Maßnahmen umsetzen, gewinnen alle Beteiligten. Mitarbeiter, deren Familien, Kunden und Geschäftsleitung. Laut Prognose können Unternehmen einen durchschnittlichen Return on Investment (ROI) von 25% erwarten." - "Viele Betriebe laufen aufgrund der derzeitigen demografischen Entwicklung Gefahr, große Teile ihrer wichtigsten Ressource zu verlieren: Erfahrungswissen und Know-how. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, junge Nachwuchskräfte zu finden und an sich zu binden. Nur die Unternehmen, die sich mit langfristigen Strategien darauf vorbereiten, können dauerhaft bestehen, denn jeder lebt von der wichtigsten Ressource, dem Humankapital und trägt daher auch Verantwortung - und das unabhängig von der Größe und des Geschäftsfeldes", so Carina Stöckl, Koordinatorin des Lokalen Bündnis für Familie im Kreis Gütersloh. "Wird diese Verantwortung weitsichtig wahrgenommen, und den Mitarbeitern der schwierige Balanceakt zwischen Familien- und Berufsleben ermöglicht, profitieren alle Beteiligte."

Vor diesem Hintergrund wird Lokale Bündnis im Kreis Gütersloh interessierten Unternehmern und Personalverantwortlichen im Rahmen weiterer Veranstaltungen im Laufe des Jahres Lösungsansätze und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, wie sie durch familienorientierte Personalpolitik dem Fachkräftemangel entgegenwirken können.

 

Weitere Informationen erhalten Sie bei:

 

Carina Stöckl

Lokales Bündnis für Familie im Kreis Gütersloh

Pro Wirtschaft GT GmbH

Herzebrockerstr. 140

33334 Gütersloh

Tel: 05241/85 1092

Fax: 05241/85 31002

e-mail: carina.stoeckl@pro-wirtschaft-gt.



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