150 Bürger diskutieren zum Thema Nordtor


Etwa 150 Interessenten waren einer Einladung der Stadtverwaltung Rietberg zu einer Informationsveranstaltung zum Bereich Nordtor gefolgt. Foto: Stadt Rietberg
Etwa 150 Interessenten waren einer Einladung der Stadtverwaltung Rietberg zu einer Informationsveranstaltung zum Bereich Nordtor gefolgt. Foto: Stadt Rietberg

Rietberg. Wie wird sich das Gesicht rund um das Rietberger Nordtor verändern, wenn das City Outlet (CO) kommen sollte? Das hat die Stadtverwaltung Rietberg jetzt 150 interessierten Bürgern im Rahmen eines Informationsabends genauer erläutert. Stadtplaner Roger Loh (Büro Tischmann und Schrooten) präsentierte die ersten Pläne, die unter anderem zwei CO-Neubauten und eine Platzgestaltung vorsehen.

Der Beigeordnete Andreas Göke betonte, dass sämtliche Planverfahren noch ganz am Anfang stehen und noch nichts entschieden sei. Dem ersten Informationsabend folgt demnächst die so genannte offizielle frühzeitige Bürger- und Öffentlichkeitsbeteiligung – Privatleute und Behörden können in diesem Zuge ihre Bedenken und Anregungen einbringen. Anschließend wird im politischen Raum darüber diskutiert, welche Änderungen und Anregungen aufgenommen werden. Erst danach wird der Satzungsbeschluss gefasst, dann tritt der Bebauungsplan in Kraft. Einigen Zuhörern im Publikum war diese Reihenfolge offensichtlich nicht klar, wie die eine oder andere Frage danach, „ob denn schon alles entschieden ist“, zeigte.

Dass es noch keine fest zementierten Pläne gibt, wurde am Mittwochabend am Beispiel Lind-Hotel deutlich. Ursprünglich wollten die Hotelbetreiber einen ersten Entwurf ihrer Anbaupläne zeigen. Das Vier-Sterne-Haus soll bekanntlich auf einem Teil der Rathausstraße erweitert werden. Die zunächst vom Betreiber favorisierte Flachdachvariante wird derzeit aus gestalterischen Gründen nicht weiter verfolgt. Stattdessen konzentriert sich der Inhaber des Hotels aktuell auf eine Variante mit Satteldach und Giebel. Ansichten und Pläne dazu sollen zunächst den politischen Vertretern präsentiert werden. Im Anschluss daran ist ein weiterer Bürgerinformationsabend vorgesehen, um auch der Öffentlichkeit die Entwürfe zu zeigen. Ein Termin steht noch nicht fest.

Schon konkreter umrissen ist das Vorhaben der CO-Investoren, auf dem jetzigen Aldi-Gelände einen Neubau für Geschäfte inklusive Tiefgarage zu schaffen. Das Gebäude ist u-förmig, wobei ein langer Schenkel parallel zur Wiedenbrücker Straße verläuft. Ein weiterer (kleinerer) Neubau soll gegenüber der Lind-Hotel-Terrasse auf einem aktuell teilweise bebauten Privatgrundstück entstehen. Insgesamt sind 20 Geschäfte mit öffentlichen Toiletten vorgesehen. Der Platz zwischen den beiden Gebäuden (ein Teil der jetzigen Straße Im Wullbrock) könnte nach den ersten Plänen in eine Multifunktionsfläche mit Spielplatz umgewandelt werden. Die jetzige Erschließung zu den Siedlungen Im Wullbrock/Drosselweg würde abgebunden werden, wäre also nur noch für Fußgänger und Radfahrer passierbar. Anlieger könnten ihre Grundstücke mit dem Pkw weiterhin über die Straße Pulverdamm erreichen.

Auf viele Fragen gab es am Mittwochabend im Ratssaal des Alten Progymnasiums direkt eine Antwort, etwa danach, warum die CO-Neubauten keine Sattel-, sondern Flachdächer erhalten sollen. Investor Leon Meyer erläuterte, dass sich die Bauten harmonisch in die Umgebung einfügen sollen und dass „Rietberg ohnehin schon über eine wunderschöne Altstadt mit historischem Gebäudebestand verfügt, die nicht noch zusätzlich durch den Bau weiterer Giebelhäuser verstärkt werden muss“.  Auf die Anregung eines Bürgers, ob die Dächer nicht begrünt werden könnten, informierte Meyer darüber, dass die Fläche nach Möglichkeit für Photovoltaikanlagen genutzt werden solle.

Ein Vertreter einer Bürgerinitiative von der Dr.-Bigalke-Straße kritisierte das Vorhaben, einen kleinen Teil der Grünfläche gegenüber dem DRK-Heim als Ersatz für jene Immobilieneigentümer zur Verfügung zu stellen, die ihr Grundstück und ihr Einfamilienhaus für den Neubau eines CO-Gebäudes zur Verfügung stellen. Der Beigeordnete betonte, dem Vorschlag, die Fläche als Ersatz anzubieten, sei eine gründliche Abwägung vorausgegangen. Sowohl seitens der Verwaltung als auch im politischen Raum. In beiden Fällen sei man zu dem Schluss gekommen, dass es vor dem Hintergrund des Gesamtprojekts vertretbar sei, dieses Vorhaben weiter zu verfolgen. Stadtplaner Loh betonte aus fachlicher Sicht: „Das ist zwar ein schwerer Eingriff in diesen bestehenden Bereich, allerdings kein zerstörender.“

Einige Detailfragen konnten bei der Bürgerinformation noch nicht beantwortet werden, weil die Planungen sich in einem frühen Stadium befinden. Sobald weitere Pläne – etwa für den Anbau des Lind-Hotels – vorliegen, wird die Verwaltung einen weiteren Termin für eine Bürgerinfoveranstaltung bekanntgeben. Alle Informationen zu vorausgegangenen Veranstaltungen finden Interessenten hier.