Bäume werden jetzt aus Säcken gegossen


Anhaltende Trockenheit erfordert neue Maßnahmen


Rietberg. Nein, das sind keine Müllbeutel, die jetzt an einigen Bäumen im Stadtgebiet hängen. Das sind Gießsäcke – eine neue und kreative Methode, um die Bäume am Straßenrand kontinuierlich mit Wasser zu versorgen. Die anhaltende Trockenheit erfordert auch in Rietberg neue Systeme, um effektiv zu bewässern. „Das reguläre Gießen reicht einfach nicht mehr aus“, sagt Jens Hökenschnieder von der Baubetriebsabteilung der Stadt Rietberg.

 

Normalerweise brauchen die Gießfahrzeuge des Bauhofs eine Woche, um junge Bäume und Hecken überall im Stadtgebiet einmal zu gießen. Jetzt, da es schon so lange nicht geregnet hat, reicht der reguläre Rhythmus nicht aus. „Blätter werden braun und selbst Hecken, die schon jahrelang an den Straßen stehen, drohen nun einzugehen“, sagt Heike Bennnik, bei der Stadtverwaltung für die Grünanlagen zuständig. Inzwischen nutzt der Bauhof seine kompletten Kapazitäten: Vier Fahrzeuge mit je 2000 bis 6000 Litern Wasser an Bord sind täglich unterwegs. Mit einem beweglichen Gießarm können Bäume und Hecken aus dem langsam fahrenden Fahrzeug heraus gegossen werden.

Zusätzlich ist die Bewässerung einzelner Anlagen und Straßenzüge an Garten- und Landschaftsbauunternehmen vergeben. Auch die Freiwillige Feuerwehr hilft. Der Löschzug Mastholte gießt zum Beispiel eine Neuanpflanzung an einem Regenrückhaltebecken, der Löschzug Rietberg bewässert die Freibadwiese. Die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr bleibt natürlich unberührt. Davon abgesehen konzentriert sich die Stadt beim Gießen auf Bäume und Hecken. „Rasen und Beete sind weniger wertvoll“, erklärt Bennink. „Weil wir Prioritäten setzen müssen, müssen wir bereits auf das Gießen verzichten.“ Insgesamt muss sich die Stadt um rund 8500 Bäume kümmern. Mehr als 17 Hektar intensives Grün ist allein in den innerstädtischen Bereichen zu pflegen – das sind in der Summe mehr als 20 Fußballfelder.

Sehr gelegen kommt daher die Ankündigung der Vereinigten Gas- und Wasserversorgung (VGW): Sie spendet der Stadt Rietberg 5 Millionen Liter Wasser – „das reicht für 50.000 Bäume“, sagt VGW-Geschäftsführer Bernd Hartung.

Erstmals verwendet die Stadt Rietberg jetzt sogenannte Gießsäcke. 100 Stück hat die Stadt zunächst gekauft. Ein solcher Sack fasst 100 Liter Wasser und wird so befüllt an den Baum gebunden. Wenn er leer ist, kann er wieder befüllt werden. Da der Boden perforiert ist, verliert der Gießsack langsam und über sechs bis acht Stunden sein Wasser. „So wie es sein soll“, erklärt Hökenschnieder. „Würden wir die Wassermenge in einem Schwung an den Baum kippen, könnte der trockene und harte Boden kaum etwas davon aufnehmen und das meiste Wasser würde sinnlos abfließen.“ Wichtig ist, dass das Wasser bis zu den Wurzeln durchdringt.

Das rät er auch allen Bürgern: „Wenn sie zu Hause ihre Bäume und Hecken gießen, tun sie dies reichlich, aber langsam. Am besten zuvor den Boden etwas auflockern. Wenn sie dann auch ein paar Eimer für die Bäume vor dem Haus am Straßenrand  übrig haben, erleichtert das unsere Arbeit ungemein.“

Beim Löschzug Rietberg hatten sich gleich ein Dutzend Freiwillige gemeldet, um zum Beispiel beim Bewässern der Wiese am Freibad zu helfen. Foto: Feuerwehr Rietberg
Rietbergs größtes Gießfahrzeug hat ein Fassungsvermögen von 6000 Litern. Hier wird während der Fahrt eine Buchenhecke an der Konrad-Adenauer-Straße bewässert. Foto: Stadt Rietberg

 

Erste sogenannte Gießsäcke hängen bereits an den Ahornbäumen an der Platzstraße sowie am Torfweg, Mastholter Straße und Delbrücker Straße. Weitere sollen folgen. Foto: Stadt Rietberg
Erste sogenannte Gießsäcke hängen bereits an den Ahornbäumen an der Platzstraße sowie am Torfweg, Mastholter Straße und Delbrücker Straße. Weitere sollen folgen. Foto: Stadt Rietberg