Früher eine Apotheke, heute ein Denkmal



Das Haus Rathausstraße 16. Foto: Stadt Rietberg

Rietberg. Die Adresse lautet Rathausstraße 16. Ab sofort gibt es aber eine weitere Zahl, die etwas über die ehemalige Rotgerische Apotheke aussagt, und das ist die Nummer 76. Denn das imposante Gebäude gegenüber der Bäckerei Lange ist das 76. Denkmal in Rietbergs Historischem Stadtkern. Am Donnerstag konnte Immobilienbesitzer Dr. Horst-Detlef Göbel die bronzene Plakette entgegen nehmen, die den Denkmalstatus belegt.

Der Münsteraner, der das Haus vor einigen Jahren erworben hatte, freute sich sehr darüber, dass er nun ein Denkmal sein Eigen nennt: „Dieses Haus ist wichtig für Rietberg und die Menschen hier. Denn es steht für einen Teil der Geschichte. Die Geschichte der Apotheken.“ Dr. Göbel selbst war auf die Stadt Rietberg zugekommen und hatte beantragt, das Wohn- und Apothekengebäude von 1865 in die Denkmalliste eintragen zu lassen. Mit viel Liebe zum Detail hatte der 63-Jährige das Objekt in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt restauriert und regelrechte Juwelen zu Tage gefördert. Unter anderem einen original erhaltenen Dielenboden im Dachgeschoss, wunderschöne alte Zimmertüren oder etliche Möbel, die noch aus den Anfängen des Apothekenbetriebs stammen.

Die bronzene Plakette belegt den Denkmalstatus. Das Foto zeigt (von links) Dr. Barbara Pankoke (Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Denkmalpflege), Bürgermeister Andreas Sunder, Hauseigentümer Dr. Horst-Detlef Göbel, Frank Jungeilges (Leiter städtische Abteilung Bauaufsicht und Denkmalpflege) sowie Jürgen Krieftewirth (Abteilung Bauaufsicht und Denkmalpflege). Foto: Stadt Rietberg

Die städtische Abteilung Bauordnung und Denkmalaufsicht hatte den gesamten Prozess bis hin zur Eintragung in die Denkmalliste mit begleitet, immer in enger Absprache mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Bürgermeister Andreas Sunder, der vor Ort gemeinsam mit Dr. Barbara Pankoke vom Landschaftsverband die bronzene Plakette überreichte, betonte, wie sehr er sich darüber freue, dass Dr. Göbel am Erhalt dieses historischen Hauses gelegen sei. „Diese Plakette ist ein gewichtiger Grund zum Feiern. Ich gratuliere Ihnen ganz herzlich zur Denkmalwürde“, sagte das Stadtoberhaupt.

In der Beschreibung zum Baudenkmal Rathausstraße 16 ist nachzulesen, warum das Haus, das dem Spätklassizismus zuzuordnen ist, eine prägende Bedeutung für Rietberg hat: „Es dokumentiert den besonderen gesellschaftlichen Anspruch, den ein Apotheker als einer der wenigen Akademiker des Ortes hatte, sowie auch die wirtschaftliche Bedeutung einer Apotheke in dieser Zeit.“ Es war 1865, als das Gebäude für den Apotheker Friedrich Rotgeri und seine Ehefrau (eine geborene Stadler aus Neuenkirchen) erbaut wurde. Damals diente der vordere Bereich des Erdgeschosses als Geschäftsraum, im hinteren Bereich befand sich das Laboratorium. 1959 erfolgte der Ausbau des vorderen Erdgeschossbereichs zu einem großen Verkaufsraum. In den Akten heißt es dazu: „Der Umbau von 1959 ist als eine in zeitgenössischen Formen ausgeführte Baumaßnahme zu sehen, die allerdings versuchte, den Altbestand so weit wie möglich zu respektieren und ihn nur neu zu interpretieren.“ Typisch für die damalige Zeit war die räumliche Nähe zwischen Arbeiten und Wohnen.

Heute nutzt der Hausherr Dr. Göbel das Obergeschoss und das ausgebaute Dachgeschoss selbst als Wohnraum. In den Geschäftsräumen im Erdgeschoss ist die Fachwerkstatt Drücker aus Rietberg ansässig, die sich auf die Pflege von Baudenkmälern spezialisiert hat. Geschäftsführer Erasmus Drücker durfte erst kürzlich den „Zukunftspreis Handwerk OWL 2018“ entgegen nehmen.