Glockengeläut in Gedenken an Pogrom-Opfer



Erinnerung an den 9. November vor 80 Jahren am ehemaligen Standort der Synagoge Neuenkirchen. Foto: Stadt Rietberg

Rietberg-Neuenkirchen. Sechs Minuten stilles Geläut der Totenglocke von St. Margareta – ein symbolisches Zeichen für sechs Millionen ermordeter Juden vor und während des Zweiten Weltkriegs. Mit diesem Geläut hat am Freitag eine Gedenkveranstaltung anlässlich des 80. Jahrestags der Novemberpogrome von 1938 begonnen.

Der Heimatverein Neuenkirchen hatte in Zusammenarbeit mit der Stadt Rietberg und der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden zu dieser Veranstaltung eingeladen. Am früheren Synagogen-Standort in Neuenkirchen an der Langen Straße waren etwa 150 Menschen zusammengekommen, um sich an die schicksalhaften Ereignisse vor 80 Jahren zu erinnern. Beate Schrewe vom Heimatverein Neuenkirchen schilderte eindrucksvolle Augenzeugenberichte der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938. Der evangelische Pastor Dietrich Fricke und der katholische Pfarrer Augustinus Dröge verlasen einen Brief eines jüdischen Jungen aus dem Konzentrationslager beziehungsweise einen Psalm.

Bürgermeister Andreas Sunder mahnte als Hauptredner der Gedenkveranstaltung: „Wir müssen mit allen Mitteln verhindern, dass sich Szenen wie jene der Pogromnacht wiederholen.“ Eindringlich rief er die grausamen Geschehnisse der Nacht des 9. November ins Gedächtnis. Der Bürgermeister verwies auf Artikel 1 des Grundgesetztes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Es mache ihm Angst, dass es Momente gebe, in denen dieser wertvolle Satz mit Füßen getreten werde. „Wir sollten ihn vielmehr auf Händen tragen und ihn zum Grundsatz unseres Handelns erklären.“ Er hoffe, so Sunder, dass sich Zeiten wie damals im Zweiten Weltkrieg niemals wiederholen werden. Sein Appell: „Die Rückbesinnung auf die Vergangenheit sollte Antrieb für ein friedliches Miteinander in der Gegenwart sein.“