Jugendwerk feiert 40jähriges Bestehen



Rietberg. Das Jugendwerk Rietberg feiert am kommenden Wochenende gleich mit mehreren großen Programmpunkten sein 40jähriges Bestehen. Die traditionsreiche Einrichtung der Jugenderziehungshilfe startet am Freitag, 18. September, mit einer Tagung für Fachpublikum in die Festivitäten. Professor Benedikt Sturzenhecker referiert zum Thema "Demokratische Beteiligung von Kinden und Jugendlichen in erzieherischen Hilfen – von der Boys Town-Tradition zu Perspektiven für das Jugendwerk Rietberg".

Am Nachmittag ist ab 14.30 Uhr die gesamte Bevölkerung in die Cultura eingeladen zur Theateraufführung "Die schwarze Spinne". Regisseur und Theaterpädagoge Ulrich Thon hat mit 16 Kindern und Jugendlichen unter aufwändiger Vorbereitung das Stück von Jeremias Gotthilf einstudiert.

Am Samstag findet zunächst in der Klosterkirche ein gemeinsamer Festgottesdienst statt. Anschließend öffnet das Klostergelände, hier hat das Jugendwerk seinen Sitz seit 40 Jahren, für ein mittelalterliches Jubiläumsfest.

Die Brauchtumsgruppe "Freye Soeldner zu Lippe e.V:" sorgt für vielfältige Kurzweil. Musik, Theater, Spiel und Spaß, Essen und Trinken, Kaffee und Kuchen warten auf die Besucher. Es gibt ein mittelalterliches Armbrustschießen, ein Hufeisenzielwerfen, den Wettbewerb "Hau mich vom Balken", Rüstungen zum Ausprobieren und historische Schaukämpfe. Der Juwerki-Zirkus präsentiert Artistik und Jonglage. Dazu sind viele Mitmach-Spiele geplant, mittelalterliche Bänkelsänger und die Jugendwerk-Band sorgen für die musikalische Umrahmung.

Zur Geschichte von Gebäude und Jugendwerk:

Das Franziskanerkloster wurde 1618 an einer Emsbiegung auf dem Gelände der alten Drostenburg errichtet. Das Kloster war eine Stiftung des Grafen Johann III. und seiner Gemahlin Sabina Katharina.
Die Franziskanermönche sollten nach 60 Jahren lutherischen Bekenntnisses der Bevölkerung den katholischen Glauben zurück bringen und festigen.
Im Laufe der wechselvollen Geschichte wurde das Kloster mehrfach ausgeraubt und geplündert. Zu keinem Zeitpunkt nach seiner Gründung aber wurde das Kloster aufgelöst und hatte Bestand bis 1969.
Am 15. September 1969 wurde das Kloster in einem Festakt dem JUGENDWERK RIETBERG übergeben und 60 männliche Kinder und Jugendliche zogen in das Gebäude ein. Der „Bund der deutschen katholischen Jugend“ (BDKJ) startete unter der Leitung des damaligen Jugendreferenten Karl-Heinz Koch die Initiative „Jugend für die Jugend“.
Die Pädagogik Father Flanagans (Boys Town) hatte ihn inspiriert Kinder und Jugendliche möglichst individuell und mit einem Höchstmaß an Mitbestimmung (Jungenrat) zu erziehen. Außerdem war diese Aktion eine Antwort auf die immer mehr in Frage gestellten Formen der Heimerziehung in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts.
Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts begann das JUGENDWERK RIETBERG Außenwohngruppen in Häusern in der Umgebung Rietbergs zu errichten, um die Form des Zusammenlebens so familienähnlich wie möglich zu gestalten und ein hohes Maß an Normalität zu leben.
Im Laufe der Zeit hat sich das JUGENDWERK RIETBERG zu einer ausdifferenzierten Einrichtung der Erziehungshilfe entwickelt mit vielfältigen Angeboten im ambulanten, teilstationären und stationären Bereich.
Schwerpunkt ist die heilpädagogisch/therapeutische Ausrichtung und die freizeitpädagogische Gestaltung des Alltags sowie die auf systemischem Denken basierende intensive Elternarbeit.
Seit 1978 ist der Träger der Einrichtung der „Verein für Jugendhilfe im Erzbistum Paderborn e.V.“. Heute werden 69 Kinder und Jugendliche dauerhaft betreut.