Kein Drängeln und Schubsen mehr im Bus



Die 9c der Gesamtschule in Rietberg lernt das richtige Verhalten im Bus. Foto: Stadt Rietberg

Rietberg. Es wird gedrängelt und geschubst, jeder möchte der Erste im Bus sein und so den besten Sitzplatz ergattern. Oftmals sind sich die Schüler nicht bewusst, welcher Gefahr sie sich mit ihrem Verhalten aussetzen. „Wir sitzen hinter dem Steuer und zucken zusammen, weil es manchmal ganz schön knapp wird“, berichtet Manuel Mertens, Junior-Chef des Busunternehmens Mertens-Reisen, über gefährliche Situationen an Haltestellen. Um dem etwas entgegenzusetzen, lernen die Schüler in einer Busschulung, sich richtig zu verhalten.

Klassenweise geht es für die Acht- und Neuntklässler des Gymnasiums und der Gesamtschule in Rietberg zum Zentralen Omnibus-Parkplatz (ZOB). Erste Lektion: das richtige Einsteigen. „Rücksicht nehmen und nicht drängeln“, mahnt Simon Wippich, Betriebs- und Verkehrsleiter der Transdev Ostwestfalen GmbH, die für den Personennahverkehr im Kreis Gütersloh zuständig ist. Wer keinen Sitzplatz findet, sollte sich unbedingt an einer der zahlreichen Haltemöglichkeiten festhalten – sei es an den gelben Stangen, an den Sitzen oder den Schlaufen an den Querstangen im Bus. Doch auch sitzende Fahrgäste sollten sich festhalten, denn die Gefahr, dass der Bus eine Vollbremsung machen muss, ist immer da.

Wie sich so eine abrupte Vollbremsung auf die Fahrgäste auswirkt, zeigt Mertens mit einem Brems-Manöver – zuerst beim Anfahren. Schon jetzt geht ein Ruck durch den Körper. Ein Kanister, der zu Testzwecken auf dem gefährlichsten Platz im Bus – ganz hinten auf dem mittleren Sitz – steht, fliegt bereits ein Stück in den Gang. Beim nächsten Manöver beschleunigt Mertens den Bus auf 25 km/h, dann tritt er plötzlich auf die Bremse. Dabei rutscht der Kanister einmal quer durch den ganzen Bus und landet schließlich vorne beim Fahrer. Wäre dies ein Mensch gewesen, hätte er auch durch die Windschutzscheibe fliegen können, sind sich die Schüler einig. Daher weist Wippich noch einmal eindringlich daraufhin: Immer festhalten – auch im Sitzen. „Ich habe euch jetzt gewarnt, dass es eine Vollbremsung geben wird. Im wahren Leben ist das aber nicht der Fall.“

Von links: Simon Wippich, Betriebs- und Verkehrsleiter Transdev Ostwestfalen GmbH, Manuel Mertens, Junior-Chef Busunternehmen Mertens-Reisen, Bürgermeister Andreas Sunder, Lehrerin Irina Niemann, Schulleiter Frank Wedekind und Dominik Bartels, Leiter Abteilung Schule, Kultur und Sport, mit Schülern der 9c der Richard-von Weizsäcker-Gesamtschule.  Foto: Stadt Rietberg

Ein weiterer Risiko-Bereich sind die Türen. Denn beim Drängeln kann es schnell passieren, dass der Fuß unter die Räder des Fahrzeugs gerät. „Euer Fuß ist dann nicht mehr zu retten“, so Wippich. Auch das richtige Verhalten beim Aussteigen wird in der Busschule erläutert. „Wenn ihr aus dem Bus ausgestiegen seid, wartet, bis er weggefahren ist“, erklärt Manuel Mertens. „Denn nur so habt ihr einen guten Blick auf den fließenden Verkehr. Wir erleben es immer wieder, dass Schüler vor dem Bus einfach auf die Straße laufen.“

An den Erfolg der Schulung, die in Zusammenarbeit mit der Stadt Rietberg stattfindet, glaubt Simon Wippich fest: „Wir merken, dass die Busschule etwas bringt. Die Schüler sind beeindruckt, interessiert und fragen nach.“ An ihre Vorbild-Funktion erinnert Gesamtschulleiter Franke Wedekind. „Die Kleineren schauen auf euch und euer Verhalten. Also zeigt ihnen, wie es richtig geht.“