Wechsel in der Kulturarbeit in Rietberg



Musikbegeistert: Johannes Wiethoff, Trompeter im Musikverein Westerwiehe, und Gitarrenfreund Volker Pappert greifen nur fürs Foto zum Instrument. Auf Rietbergs Bühnen lassen sie lieber andere Künstler. Foto: Stadt Rietberg

Rietberg. Musikalisch sind sie beide. Aber es ist weniger das Musizieren, das sie verbindet, als vielmehr die Freude an der Organisation von kulturellen Veranstaltungen. Jetzt geht die Verantwortung für die Kulturarbeit in der Stadt Rietberg von Volker Pappert an Johannes Wiethoff über. Pappert (65) geht in den Ruhestand, Wiethoff (31) stellt sich im Verein Kulturig als dessen Nachfolger zur Wahl.

Die Mitgliederversammlung beginnt am Dienstag, 15. Mai, um 19 Uhr in der Cultura. Seit der Gründung von kulturig im Mai 2005 ist Pappert Vorsitzender und Geschäftsführer in Personalunion. Er kann und darf diese Aufgaben gut mit seinem Beruf verquicken: Denn seit 2002 ist er bei der Stadt Rietberg angestellt, um das kulturelle Leben der Stadt mit abwechslungsreichen Veranstaltungen zu bereichern.

Gerade hat er seinen 65. Geburtstag gefeiert. Der offizielle Ruhestand beginnt zwar erst im November, doch dank vieler Urlaubstage wird er sich in der Verwaltung in den nächsten Tagen rar machen. Dafür schart längst ein Nachfolger mit den Hufen: Bereits seit November hat sich Johannes Wiethoff bei der Stadt Rietberg in Papperts Aufgaben eingearbeitet. Nun soll er auch die Positionen des Vorsitzenden und Geschäftsführers bei kulturig übernehmen. Dort arbeitet Wiethoff natürlich auch schon seit Monaten mit. „Die Ehrenamtlichen haben mich freundlich aufgenommen. Und es sind noch immer alle dabei, ich habe wohl niemanden verschreckt.“

Als Volker Pappert 2002 in städtische Dienste trat, hatte der gelernte Diplom-Sozialpädagoge bereits eine kleine Veranstalter-Karriere hinter sich. Nicht nur weil sein Vater Wilhelm – ebenfalls bei der Stadt Rietberg angestellt – es ihm vorgemacht hatte: Wilhelm Pappert hatte den Kulturring geleitet und den Rietbergern Diavorträge, Reiseberichte, Literatur und mehr nahe gebracht. Und ihnen immer wieder Busfahrten zur Oper nach Bielefeld geboten. Und auch Volker musste immer wieder mit anpacken, wenn es darum ging, Veranstaltungsstätten herzurichten.

Volker Pappert arbeitete zunächst in der Hausaufgabenhilfe bei der Caritas, als er 1994 sein erstes Konzert im Heimathaus auf die Beine stellte. Zu der Zeit hatte er bereits in Gütersloh an zahlreichen Konzerten im Jugendzentrum mitgewirkt, den Jugendkulturring unterstützt und die Reihe »Jazz in Gütersloh« mit aus der Taufe gehoben.

Aus dem ersten Konzert im Heimathaus entwickelte sich schließlich die Gruppe Multikulti, getragen vom Heimatverein Rietberg. Das Interesse an Kultur in Rietberg war groß, die Zahl der Veranstaltungen – 2002 erklärte Pappert zum »Jahr der Gitarre«, woraus sich das überregional bekannte Gitarren-Festival mit Tommy Emmanuel entwickelte – nahm zu und der Aufwand wuchs. So sehr, dass das Ehrenamt Pappert überforderte. Und die Stadt ihm anbot, die Kulturarbeit unter städtischer Schirmherrschaft fortzuführen. „Zuerst hatte ich Sorge, dass viele Ehrenamtler mich im Stich lassen, weil ich nun für meine Arbeit bezahlt werde und sie nicht.  Aber dem war nicht so“, erinnert sich Volker Pappert.

Als er 2002 in die Arme der Stadt wechselte, absolvierte der Neuenkirchener Johannes Wiethoff gerade ein Praktikum in der Veranstaltungsbrache. Er schloss eine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker in Greven an. Später dann ein BWL-Studium in der Bundeshauptstadt. „Das war eine gute und richtige Weiterentwicklung. Aber Berlin war mir zu groß, es zog mich zurück in die Heimat“, erzählt Wiethoff.

Als die Stadt die Stelle von Volker Pappert ausgeschrieben hatte, wurde Wiethoff aufmerksam. „Die Mischung aus wirtschaftlichem und technischem Verständnis ist genau die richtige Kombination“, so der 31-Jährige. „Wie hier Ehrenamt, Verein und die Stadtverwaltung zusammengreifen ist eine tolle Kombination, die ihresgleichen sucht“, so Johannes Wiethoff weiter. „Unsere etwa 20 Aktiven in den eigenen Reihen sind das beste Aushängeschild, das wir uns wünschen können“, stimmt ihm Pappert zu.“ Um dieses Erfolgsmodell wird Rietberg in vielen anderen Städten beneidet.

„Ich hoffe, dass es mir gelingt, alle bei der Stange zu halten“, nennt Johannes Wiethoff eines der wichtigsten Ziele seiner Arbeit. „Dabei habe ich stets im Hinterkopf: Die Fußstapfen sind nicht klein.“ Was das Programm angeht, will er das Rad nicht neu erfinden. Die Mischung aus kleinen und großen Events, aus Theater, Musik, Literatur und Comedy, macht das Kulturig-Programm mit rund 30 Veranstaltungen pro Saison so besonders. „Der Erfolg spricht für sich“, so Wiethoff.

Pappert selbst will künftig häufiger selbst in den Zuschauerreihen sitzen. In Rietberg wie auch andernorts. „Als Veranstalter kommt man ja meist nicht dazu und hat hinter der Bühne immer noch genug anderes zu tun.“ Dass er irgendwann doch wieder ein kleines aber feines und neues Event auf die Beine stellt, will der rührige Pappert noch nicht ausschließen.