Reges Interesse an City-Outlet-Projekt


Alles Wissenwerte zu den Planungen für ein COC präsentierten (unter anderem) Bürgermeister Andreas Sunder (links) und Investor Leon Meyer. Foto: Stadt Rietberg
Alles Wissenwerte zu den Planungen für ein COC präsentierten (unter anderem) Bürgermeister Andreas Sunder (links) und Investor Leon Meyer. Foto: Stadt Rietberg

Rietberg. Großes Thema, großes Interesse: 300 Besucher haben sich am Dienstagabend im Rahmen einer Bürgerversammlung in der Rietberger Cultura über die City-Outlet-Center-Pläne informiert, für die es insgesamt viel Applaus und Zustimmung gab. Zentrale Botschaft des Abends von den Investoren Leon und Tom Meyer, Bürgermeister Andreas Sunder und Gutachter Dr. Joachim Will (Büro Ecostra): Das überarbeitete Konzept mit Neubauten an Nord- und Südtor sowie der Rathausstraße als zentraler Verbindung ist durchdacht, vielversprechend und wirtschaftlich tragfähig.

Investor Leon Meyer stellte noch einmal das neue Modell vor, Bürgermeister Andreas Sunder skizzierte die begleitenden Maßnahmen, für die die Stadt Rietberg verantwortlich ist, so etwa die Änderung von Bebauungsplänen oder die Schaffung entsprechender Infrastruktur. Ebenfalls auf dem Podium war Dr. Joachim Will vom Büro Ecostra aus Wiesbaden. Der ausgewiesene Fachmann für das Thema Einzelhandel hatte bereits vor zwei Jahren eine Machbarkeitsstudie erstellt und war zu dem Schluss gekommen, dass ein City-Outlet-Center in Rietberg gut funktionieren kann.

Auch die überarbeitete Planung – das so genannte Knochenmodell mit Neubauten an zwei Enden und der Rathausstraße dazwischen – hat der Experte unter die Lupe genommen. Er bezeichnete diese Idee als gute und konsequente Weiterentwicklung des ursprünglichen Modells. Unabhängig davon stellte er klar: „Das Konstrukt City-Outlet-Center ist nicht beliebig austauschbar. Es funktioniert höchstens in fünf Städten in ganz Deutschland.“ Denn es müssten gleich mehrere günstige Faktoren vereint sein, damit ein Standort geeignet sei. „Sie können nicht irgendwo ein Outlet in der Stadt eröffnen und schon strömen die Kunden – das klappt nicht. Entscheidend ist, dass sie über ein großes Einzugsgebiet verfügen, gut erreichbar und  touristisch sehr attraktiv sind.“ Denn, so der Gutachter: „Nur um einzukaufen, kommt niemand zu Ihnen. Das kann man schneller und bequemer im Internet erledigen. Einkaufen ist in diesem Fall nicht mehr Selbstzweck, sondern Erlebnis. Mit dem Gartenschaupark und einer äußerst ansehnlichen Stadt bieten Sie dieses Erlebnis.“

Seit der Eröffnung des ersten und bislang einzigen City-Outlet-Centers in Bad Münstereifel habe es hunderte Anfragen aus anderen Städten gegeben, die diese Idee kopieren möchten, informierte Dr. Will. Einige wenige hätten sich mit ersten Planungen auf den Weg gemacht, viele davon seien allerdings schon in der ersten Phase gescheitert, weil sie die Rahmenbedingungen nicht erfüllen. Dr. Will: „Ein City-Outlet ist eben eine Nische in der Nische.“ Zwei Jahre nach der Eröffnung sei Bad Münstereifel heute sehr erfolgreich. Mieter und Marken seien zufrieden, denn der Umsatz wachse. „Nicht so extrem wie etwa bei den größeren Outlet-Centern wie  Roermond oder Soltau, aber auf vergleichsweise hohem Niveau.“

Was passiert, wenn das COC in Rietberg nicht funktioniert, wollten einige Bürger in der anschließenden Fragerunde wissen. Investor Leon Meyer betonte: „Wir wissen, dass es laufen wird. Deshalb haben wir im Vorfeld die ausführliche Machbarkeitsstudie erstellen und uns umfassend beraten lassen. Aber selbst für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass es nicht klappen sollte, sind die Neubauten so flexibel gestaltet, dass sie auch andere Nutzungen erlauben.“ Ob die Stadt Rietberg eine Bürgschaft für die Betreibergesellschaft übernommen habe, konnte Bürgermeister Andreas Sunder verneinen. Welche Kosten generell auf die Stadt Rietberg zukommen, vermochte der Verwaltungschef zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht detailliert zu beziffern, betonte aber: „Das ist im Vergleich zu dem Millionenbetrag, den die Meyers investieren, eher gering.“ Gebäude und Parkhäuser würden von Familie Meyer gebaut, Maßnahmen wie den Umbau des Rathausvorplatzes finanziere die Stadt. „Allerdings mit einer 70-prozentigen Förderung“, sagte Sunder. Durch den Verkauf von Grundstücken erziele die Stadt zudem auch Erträge, die sich im unteren siebenstelligen Bereich bewegen. „Sobald einzelne Bau- und Infrastrukturmaßnahmen konkreter werden, können wir auch Kosten genau darstellen.“ Sie werden im Haushaltsplanentwurf 2018, der Ende des Jahres vorgestellt wird, nachzulesen sein.

Dass die Stadt weiterhin am Bau eines Parkhauses am Schulzentrum festhalte, erläuterte Andreas Sunder nach einer weiteren Frage aus dem Publikum. Zusätzlich zu den Parkhäusern und Tiefgaragen, die die COC-Betreiber in Eigenregie errichten, seien weitere Parkplätze am Schulzentrum ohnehin dringend erforderlich, sagte er. „Uns erreichen seit Jahren immer wieder Beschwerden über zu wenig Parkraum an diesem Standort. Cultura, Freibad, Schule oder Gartenschaupark – der Bedarf ist enorm, die zur Verfügung stehende Fläche dagegen begrenzt.“ Die Stadtverwaltung werde dieses Thema weiter verfolgen.

Etliche Detailfragen der Bürger konnten am Dienstag ebenfalls beantwortet werden. Unter anderem standen nach der Versammlung Vertreter aller politischen Parteien, der Stadtverwaltung sowie die Investoren für Einzelgespräche bereit. Darüber hinaus bietet die Stadt Rietberg in den kommenden Wochen weitere öffentliche Versammlung zu folgenden Themenschwerpunkten an, und zwar jeweils ab 19 Uhr im Ratssaal des Alten Progymnasiums:

  • 28. Juni Einzelhandelskonzept mit Fachmarktzentrum und Neubau Aldi an der Westerwieher Straße
  • 30. August Bebauungsplan Nordtor mit der Straße Im Wullbrock und Erweiterungsplänen des Lind-Hotels
  • 5. September Neubauten und Umgestaltung Ribérac-Platz am Südtor
  • 7. September Neubau Jugendhaus auf der Freibadwiese als Ersatz für die Südtorschule
  • 14. September Verkehrsplanung COC

Alle Präsentationen des Abends können Sie sich hier ansehen.