Richtfest am zentralen Klärwerk



Rietberg. "An dieser Baustelle kann man deutlich sehen, welch rasante Entwicklung unsere Stadt genommen hat. Und deutlich werden hier ebenso die neuen Wege, die wir mit Blick auf den Klimaschutz gehen." Mit diesen Worten begrüßte Bürgermeister André Kuper jetzt die Gäste zu einem kleinen Richtfest an der Zentralen Kläranlage an der Rottwiese. Das Mitarbeiterteam, Vertreter der Stadtverwaltung, der bauausführenden Firmen und der Ingenieuergesellschaft Dr. Knollmann mbH (Hannover) freuten sich gemeinsam über die sehr guten Baufortschritte. "Wir liegen absolut im Zeitplan", so Kuper, der explizit den Mitarbeitern der Kläranlage und der städt. Bauabteilungen unter Leitung von Fachbereichsleiter Thomas Lammering dankte. "Unsere Ausbaumaßnahmen erfolgen ja im laufenden Betrieb, wir können die Anlagen nicht einfach für ein paar Monate abstellen, das bedeutet sicherlich zusätzliche Belastung für das Betriebspersonal. Gemeinsam mit den ausführenden Firmen und den Ingenieuren ist es bisher gelungen, alle Arbeiten ohne jedwede Beeinträchtigung der Funktionalität des Klärwerkes durchzuführen. Das ist eine ausgezeichnete Leistung aller Beteiligten."

Kuper weiter: "Mit einem Kostenvolumen von rund 4,3 Millionen Euro ist der Ausbau unter Regie des kommunalen Abwasserwerkes unsere teuerste Maßnahme im Stadtgebiet derzeit. Zum Einen ist der Ausbau unumgänglich, weil unsere erst 1989 errichtete und von 1999 bis 2001 erweiterte Klräanlage bereits wieder ihre Kapazitätsgrenzen erreicht hat. Es geht aber auch und wesentlich auch um Energiesparmaßnahmen."

Vor 20 Jahren sei das Klärwerk an der Rottwiese für eine Anschlussgröße von 30.000 Einwohnergleichwerten gebaut worden, die erste Erweiterung führte auf 39.000 Einwohnergleichwerte. "Und hier sieht man nun deutlich die rasante Entwicklung, nicht nur ein weiterer Anstieg der Einwohnerzahl in den vergangenen 10 Jahren sondern vor allem die vielfältige Neuansiedlung von Gewerbebetrieben hat uns an die Kapazitätsgrenzen gebracht. In Spitzenzeiten ist unsere Anlage schon heute mit 45.000 Einwohnergleichwerten belastet. Deshalb müssen wir laut Vorgaben vor dem Hintergrund der aktuell anstehenden Wohnbauplanungsverfahren und Gewerbegebietserweiterungen kurzfristig bis auf 60.000 Einwohnergleichwerte ausbauen."

Die Arbeiten beinhalten eine Verfahrensumstellung in der Schlammbehandlung. Im neuen Faulturm mit einem Volumen von 2000 Kubikmetern bei einer Höhe von 17m wird künftig bakteriell Methangas erzeugt. Das soll in einem Gasbehälter zwischengespeichert und bedarfsgerecht in einem Blockheizkraftwerk verwertet werden. Das neue Kraftwerk besteht aus zwei Gasmotoren mit jeweils 104 kW elektrischer Leistung und erzeugt jährlich bis zu einer Million Kilowattstunden Strom. "Durch die Eigenstromerzeugung wird die Zentralkläranlage künftig ihren Bedarf zu 40 bis 60 Prozent decken können. Zugleich wird durch das Heizkraftwerk thermische Energie mit einer Jahresleistung bis zu 1,4 Millionen Kilowattstunden gewonnen, die zur ganzjährigen Beheizung des Faulbehälters auf konstant 36 Grad sowie für die Heizung des Betriebsgebäudes genutzt wird", informierte Kuper. Ein weiterer positiver Effekt sei die Reduzierung der zu entsorgenden Klärschlammmenge um 35 Prozent.

Die Gründungs- und Rohbauarbeiten für den Faulbehälter, für das erweiterte Schlammbehandlungs- und Blockheizkraftwerkgebäude, für den Gasbehälter sowie von Teilen des Vorklärungs- und Verteilerbauwerkes sind bereits fertig. In den kommenden Monaten geht es nun vor allem um die Installation der technischen Ausrüstung, der Rohrleitungen und der Elektro-, Meß-, Steuer- und Regeltechnik.