Viel Applaus für Sven Plöger als Gast in Rietberg


Geballte Kompetenz in Sachen Klima und Hochwasserschutz: Matthias Setter (Fachbereichsleiter Bauen), Dr. Ioannis Papadakis (Ingenieurbüro Dr. Papadakis), Diplom-Meteorologe Sven Plöger, Bürgermeister Andreas Sunder und Dr. Stephan Wilforth (tetraeder.com – von links). Foto: Stadt Rietberg
Geballte Kompetenz in Sachen Klima und Hochwasserschutz: Matthias Setter (Fachbereichsleiter Bauen), Dr. Ioannis Papadakis (Ingenieurbüro Dr. Papadakis), Diplom-Meteorologe Sven Plöger, Bürgermeister Andreas Sunder und Dr. Stephan Wilforth (tetraeder.com – von links). Foto: Stadt Rietberg

Rietberg. Ausgerechnet wetterbedingt kam Diplom-Meteorologe Sven Plöger zum Infoabend »Stark im Regen« nach Rietberg zu spät. Doch die 20 Minuten Wartezeit haben sich gelohnt: Mit seinem Vortrag »Klimawandel – Gute Aussichten für Morgen?« zog Deutschlands bester Wettermoderator die rund 150 Zuhörer in der Basilika des Bibeldorfes schnell in seinen Bann. Trotz stressiger Anreise navigierte Plöger sattelfest durch seinen eineinhalbstündigen Vortrag rund um die Klimaentwicklung, streifte auch andere Themen und sorgte immer wieder für Lacher.

Der Orkan Xavier hatte Plögers Flug von München nach Hannover einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er musste über Frankfurt nach Münster fliegen, von wo aus man ihn direkt nach Rietberg chauffierte. Dort wurde er herzlich empfangen, ließ sich von der unplanmäßigen Stressreise nichts anmerken und war schnell in seinem Element: Den Klimawandel hat es immer gegeben, erklärte er. „Aber jetzt geht er viel schneller.“ In den vergangenen 34 Jahren sei das arktische Eis um etwa die Hälfte geschrumpft. Für die nächsten 100 Jahre prognostiziert Plöger einen Temperaturanstieg von 2 bis 4 Grad. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass zu 95-prozentiger Sicherheit der Mensch einen Anteil hat am Klimawandel. „Wir sind also nicht nur Opfer, sondern zugleich auch Täter“, so Plöger. Wichtig ist, aus der Entwicklung die richtigen Schritte abzuleiten. „Populismus hilft nicht, die Probleme zu lösen.“

Heute würden mehr als 80 Prozent der weltweit benötigten Energie fossil erzeugt – „aber die Sonne nutzen wir nur zu knapp einem Prozent“, sagte Plöger mit Unverständnis. „Dabei liefert die Sonne 6000-mal so viel Energie wie wir weltweit verbrauchen.“ Auch einen Ausbau der Windenergie hält Plöger für sinnvoll.

Derart gut informiert über den globalen Klimawandel gingen die weiteren Redner des Infoabends auf die konkrete Situation in Rietberg ein: Schwerpunkt Starkregen und dessen Folgen. Zu diesem Thema hatten Stadt und Bürger im Rahmen des Projektes »Stark im Regen – Rietberger sorgen vor« bereits inhaltlich gearbeitet. Die von einer Schülergruppe des Gymnasiums konzipierten Filmbeiträge sorgten bereits zu Beginn des Abends für Begeisterung. Dr. Ioannis Papadakis erläuterte seine Datenerhebungen und Prognosen, die eine zunehmende Häufigkeit von Starkregen voraussagen. Konkret für das gesamte Stadtgebiet Rietberg hat er Überflutungsrisikokarten erstellt. Dr. Stephan Wilforth vom Büro tetraeder.com erklärte, wie sich Bürger in das Projekt »Stark im Regen« eingebracht haben. Matthias Setter, Fachbereichsleiter Bauen im Rietberger Rathaus, erläuterte schließlich die Möglichkeiten, wie die Stadtverwaltung künftig mit der Situation umgehen will. Eine größere Dimensionierung der Regenwasserkanäle allein reicht nicht aus. „Für nachhaltige Sicherheit werden wir alle aber wohl noch Jahrzehnte brauchen“, warnte Setter vor der Forderung nach sofortigen Lösungen.

„Ja, wir sind vom Klimawandel betroffen“, hatte Bürgermeister Andreas Sunder in seiner Begrüßung gesagt. Aber er forderte auch auf, deshalb nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern den Wandel als Chance für Veränderungen zu begreifen. Er bedankte sich nicht nur bei den Referenten des Abends, sondern auch bei den Ausstellern, die in Form einer kleinen Handwerkermesse Hilfen für das eigene Zuhause aufgezeigt hatten. Im Januar will die Stadt Rietberg einen Leitfaden mit Empfehlungen zur Selbsthilfe am eigenen Gebäude veröffentlichen.

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Dr. Ioannis Papadakis.

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