Was die Wirtschaft vom Sport lernen kann



Markus Hornig nannte Rezepte gegen Mißerfolg.

Rietberg. "Die Wirtschaft ist eine der tragenden Säulen unserer Stadt." Das hob Bürgermeister Andreas Sunder jetzt bei seinem ersten Wirtschaftsgespräch mit Vertretern der heimischen Unternehmen hervor. Gemeinsam mit Jörn Frensemeier, dem Wirtschaftsförderer der Stadt Rietberg, hatte Sunder zum Wirtschaftsgespräch in die Cultura eingeladen. Mehr als 130 Rietberger waren der Einladung gefolgt und erlebten einen informativen Abend.
 
Dabei war es nicht nur Bürgermeister Sunder, der einen Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Rietberg gab. Thomas Richter von der Agentur für Arbeit, Christoph Ruoff von der Bürgerstiftung und nicht zuletzt der Mentaltrainer Markus Hornig lieferten weitere Informationen für Rietberg und die Unternehmenskultur.

Ruoff stellte die Arbeit der Bürgerstiftung Rietberg vor, die sich vor zehneinhalb Jahren gegründet hatte und in dieser Zeit 270 Projekte mit 450.000 Euro unterstützt hat. Die Bürgerstiftung springt da ein, wo der öffentlichen Hand die Mittel fehlen. Sie fördert das Ehrenamt, Sport, Kultur und Jugendarbeit und vieles mehr.

Der Bürgermeister stellte die gute Entwicklung der Rietberger Wirtschaft vor. 749 Betriebsstätten gibt es aktuell im Stadtgebiet Rietberg. Diese Zahl ist in den vergangenen Jahren kaum verändert. Bemerkenswert jedoch, findet Sunder, dass viele Unternehmen auf Wachstumskurs sind. In den vergangenen zwei Jahren hatte die Stadtverwaltung Rietberg schnell und unbürokratisch 40 Betriebserweiterungen genehmigt.

Deutlich gewachsen ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze: nämlich von 10.220 im Jahr 2008 auf nun 11.166 im Jahr 2013. Erstmals hat die Stadt Rietberg die 11.000er Marke überschritten. Von Mitte 2012 bis Mitte 2013 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze überdurchschnittlich stark gewachsen: um fast 4 Prozent. Im Kreis Gütersloh stieg die Zahl dieser Arbeitsplätze im gleichen Zeitraum um 1,9 Prozent.

Demgegenüber steht aber auch ein Anstieg der Arbeitslosigkeit. In den vergangenen zwei Jahren stieg die Zahl der Arbeitslosen um 240 auf nun 903. Sorge bereitet Thomas Richter vor allem die Jugendarbeitslosigkeit. Die erreichte zuletzt in jedem Sommer einen neuen Höchststand. Der Leiter der Agentur für Arbeit in Bielefeld, appellierte an die anwesenden Unternehmer, möglichst noch mehr Ausbildungsstellen zur Verfügung zu stellen.

Positiv sieht Sunder die Entwicklung der Gewerbesteuer. Diese Einnahmen gehen im Planansatz für 2014 um 1 Million auf 18,5 Millionen Euro nach oben. Als ernüchternd bezeichnet der Bürgermeister hingegen die Tatsache, dass diese Einnahmen in gleicher Höhe von der an den Kreis Gütersloh zu zahlenden Umlage aufgezehrt werden. Die Kreisumlage steigt in fast gleichem Umfang an.

Sunder stellte den Unternehmern auch das Investitionsprogramm der Stadt für 2014 vor. Rund 12 Millionen Euro will die Stadt in Schulen, Internetanbindung, neue Wohn- und Industriegebiete und mehr investieren. Bei alledem stehe die Stadtverwaltung als verlässlicher Partner der Wirtschaft an der Seite der Unternehmer. Nicht nur der Bürgermeister, auch der Wirtschaftsförderer und der Erste Beigeordnete, Dieter Nowak, seien zentrale Ansprechpartner und garantieren kurze und unbürokratische Wege in der Verwaltung. Die parteiübergreifende Zusammenarbeit in Sachen Wirtschaftsförderung hob Sunder lobend hervor.

Die Rietberger Wirtschaft scheint also gesund zu sein. Doch jeder Betrieb kann nur so gesund sein wie die Menschen, die in ihm und für ihn arbeiten. Ein Arbeitgeber, der in die Gesundheitsvorsorge seiner Belegschaft investiert, investiert in die Gesundheit seines Betriebs. Genau das machte Markus Hornig deutlich. Der Mentaltrainer der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft und Berater zahlreicher Unternehmen war in Rietberg zu Gast und gab reichlich Denkanstöße,  wie Arbeitgeber ihr Unternehmen in Fragen des Gesundheitsmanagements verbessern können. In Firmen sollte die richtige Unternehmenskultur herrschen, rät Hornig, um die Mitarbeiter zu mehr Leistung motivieren zu können. Die Firmenchefs sollten ihren Mitarbeitern mehr Vertrauen entgegenbringen, deren Selbstvertrauen stärken, auf eigenständiges Arbeiten ermöglichen, auf Kontrollen verzichten, zum Mitdenken anregen und für ein Teamgefühl sorgen. Eindrucksvoll machte Hornig am Beispiel erfolgreicher Trainer-Sportler-Konstellationen deutlich, dass dieses System im Leistungssport gut funktioniert. Das kann man vom Sport gut auf die Unternehmensführung übertragen. Hornigs Ansätze regten so manchen Zuhörer zum Nachdenken an.

Wichtig war Jörn Frensemeier auch der lockere Gedankenaustausch im Anschluss an die Vorträge. Bei einem Imbiss im Foyer der Cultura kamen die Unternehmer miteinander ins Gespräch, aber auch mit den Referenten, mit dem Wirtschaftsförderer und dem Bürgermeister.