Wo Geschichte plötzlich lebendig wird



Foto: Diese und weitere Schautafeln präsentieren 13 Gesamtschüler im Rahmen einer Ausstellung. Das Foto zeigt (von links) Lynn Marie Peitz, Lukasz Ryska, Jonas Edenfeld, Jule Leweling, Aileen Hölken (verdeckt), Marie Katscher, Pauline Woitczyk, Claudia Zander, Marietta Stükerjürgen, Janus Junkmann, Lisa-Marie Hanswillemenke, Anna Lübbert, Marie Strate. Foto: Stadt Rietberg

Rietberg. Geschichtsunterricht vor der eigenen Haustür, am Beispiel der Menschen, die in Rietberg gelebt haben – lebendiger kann Schulunterricht kaum sein. 13 Neunt- und Zehntklässler der Richard-von-Weizsäcker-Gesamtschule hatten sich im Rahmen einer Stolpersteinverlegung in Rietberg mit dem Nationalsozialismus beschäftigt und das Schicksal der jüdischen Familie Löwenstein aufgearbeitet. Die Ergebnisse ihrer Arbeit sind nun in einer kleinen Ausstellung im Schulzentrum zu sehen.

Auf ansprechend gestalteten Informationstafeln können Besucher nachvollziehen, womit sich die Projektgruppe inhaltlich auseinandergesetzt hat. Unter anderem erfährt der Betrachter, dass es auch auf Rietberger Stadtgebiet einmal einen jüdischen Friedhof gegeben hat, und zwar im Bereich des Kreisverkehrs am Jüddeldamm/Große Höppe. Auch die Geschichte der Löwensteins wird in Texten und Bildern wieder lebendig. Ebenso wie weitere Orte des Erinnerns und des Gedenkens.

Zur Ausstellungseröffnung fiel das Fazit der Schüler eindeutig aus: „Wir dürfen nie aufhören, uns mit diesem Thema zu beschäftigen, damit es nicht in Vergessenheit gerät.“ Es habe sie sehr beeindruckt, die Ereignisse von damals am Beispiel der Familie Löwenstein nachzuverfolgen. Auf diese Weise habe Geschichte plötzlich ein ganz konkretes und individuelles Gesicht erhalten. Fachlehrerin Meike Lienland bedankte sich ausdrücklich bei Manfred Beine, dem Leiter des Stadtarchivs. Er und Thorsten Austermann hatten das Projekt gemeinsam mit der Schule organisiert. „Es hat mich besonders gefreut, dass wir mit der Gruppe über den Tellerrand Schule hinaus geschaut haben“, betonte Meike Lienland.

Gesamtschule und Stadtarchiv planen über das Projekt Stolpersteine hinaus eine dauerhafte Zusammenarbeit. „Das begrüße ich sehr“, sagte Gesamtschulleiter Frank Wedekind. Andreas Göke, Beigeordneter der Stadt Rietberg, versprach, dass die Stadtverwaltung dieses Engagement jederzeit gerne unterstützen werde.