Kleiner Kanal wächst zu enormer Breite

Tobias Keßler von der Stadtverwaltung Rietberg hat die Umsetzung der Renaturierung des Kleinen Kanals eng begleitet. Foto: Stadt Rietberg

Renaturierung zum Zweck des Hochwasserschutzes

Rietberg. Deutlich verändert präsentiert sich der Kleine Kanal in Rietberg. Auf jenem Teil, der ab der Straße Am Eichenhof östlich zur Mastholter Straße verläuft, hat die Stadt Rietberg eine naturnahe Renaturierung vorgenommen. Das heißt, der kleine Bach verläuft nun nicht mehr nur geradlinig, sondern zusätzlich in Schlangenlinien. Tothölzer, Wurzelstubben und Büsche als Strukturelemente liegen und wachsen nun ganz bewusst an verschiedenen Stellen und bieten unterschiedlichen Tieren neuen Lebensraum.

In einem 20, teils sogar 45 Meter breiten Korridor ist auf einer Länge von etwa 750 Metern eine Sekundäraue entstanden. Durch den geschwungenen Wasserverlauf weist der Kleine Kanal nun zusätzlich etwa 125 Meter neue Gewässerstrecke auf. Insbesondere bei starken Niederschlägen beziehungsweise Hochwasser kann sich der Kanal deutlich ausweiten. Dieser neu geschaffene Retentionsraum ist ein bewusster Beitrag zum Hochwasserschutz. 

Gerade, wenn auf den Feldern viel Niederschlagswasser steht, fließt dieses in den Kleinen Kanal ab, der bereits von den Rietberger Fischteichen gespeist wird und später in den Bokel-Mastholter-Hauptkanal fließt. Eine Menge Wasser, das sich nun in der neu geschaffenen Sekundäraue ordentlich ausbreiten kann, ohne dass es zu gefährlichen Überschwemmungen an anderen Stellen kommt. 

Hintergrund ist auch die geplante Bebauung auf der benachbarten Fläche, zwischen Mastholter Straße und dem Kleinen Kanal. Auf rund 13 Hektar wird eine Gewerbefläche entwickelt, bei der wohl ein Großteil der Fläche versiegelt wird. Auch das dort anfallende Oberflächenwasser, was nur geringfügig auf dem eigenen Gelände versickern kann, soll der Kleine Kanal künftig kontrolliert aufnehmen können. 

Von Mitte August bis Anfang Oktober dauerten die Arbeiten, die in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde geplant wurden, also dem Kreis Gütersloh. Rund 340.000 Euro hatte der Rat der Stadt Rietberg für diese Renaturierung bereitgestellt. Wie viel die Maßnahme tatsächlich gekostet hat, ist noch nicht schlussgerechnet. 

Für die Renaturierung musste eine Menge Boden bewegt werden. Knapp 12.000 Kubikmeter Oberboden und weitere etwa 10.000 Kubikmeter Unterboden wurden abgetragen. Ein Großteil davon wurde als Füllboden für die Nachbar-Baustelle verwendet. Auf dem bereits beschriebenen Areal an der Mastholter Straße wird derzeit eine große Altmülldeponie saniert. 

  • Tobias Keßler von der Stadtverwaltung Rietberg hat die Umsetzung der Renaturierung des Kleinen Kanals eng begleitet. Foto: Stadt Rietberg
  • Neben dem geradlinigen Kleinen Kanal schlängelt sich als Sekundäraue ein Nebenarm durch einen mehr als 20 Meter breiten Korridor. Foto: Stadt Rietberg