Über Strom vom Dach und Müll im Boden

Bürgermeister Andreas Sunder erklärte zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern aktuelle Entwicklungen in Rietberg direkt vor Ort. Foto: Stadt Rietberg

210 Bürgerinnen und Bürgern bei erster »Tour de Rietberg«

Rietberg. Klima- und Umweltschutz standen im Mittelpunkt der ersten »Tour de Rietberg« von Bürgermeister Andreas Sunder in diesem Jahr. Passend zur Klimawoche rund um den Monatswechsel hatte Sunder zu verschiedenen Schauplätzen eingeladen, um den Bürgerinnen und Bürgern Stadtentwicklung vor Ort zu zeigen und Zusammenhänge und Hintergründe zu erklären. Rund 210 Rietbergerinnen und Rietberger nahmen die Einladung dankbar an und informierten sich über Photovoltaik, Altmülldeponien, Renaturierung und Notstromversorgung. Zum Abschluss genossen sie den obligatorischen Imbiss und die Gelegenheit zum Austausch.

Freiflächensolaranlage der Firma Wiesenhof

Die Wiesenhof Geflügelwurst GmbH & Co. KG ist eine Tochterfirma der PHW-Gruppe, wie Geschäftsführer Axel Ringhoff erläuterte. Am Standort Rietberg arbeiten etwa 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; hier werden sowohl Geflügelwurst- als auch vegane Wurstprodukte produziert. Bekannt ist vor allem die Marke Bruzzzler – die beliebteste Markenbratwurst in Deutschland wird in Rietberg hergestellt. 

Nachhaltigkeit sei für die PHW-Gruppe schon lange ein Thema, erläuterte Ringhoff. Ziel sei es, Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren. Ein wichtiger Schritt dazu sei die neue Freiflächensolaranlage zwischen Delbrücker und Bundesstraße, die im vergangenen September in Betrieb genommen wurde. Die 4300 Module à 575 Watt peak produzieren jährlich 2,3 Millionen Kilowattsunden und sparen so rund 1.100 Tonnen CO2 pro Jahr ein. Mehr als 80 Prozent des produzierten Grünstroms fließen in die eigene Produktion, der übrige Anteil wird dem öffentlichen Netz zur Verfügung gestellt, erläuterte Frederick Wallmeyer, Betriebsleiter und Leiter des Nachhaltigkeitsteams in Rietberg.

Die PHW-Gruppe bekennt sich zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens und hat sich in diesem Zusammenhang der internationalen Initiative SBTi angeschlossen..

Photovoltaik auf dem Dach des Bauhofes

In deutlich kleinerer Dimension hat die Stadt Rietberg das Dach der sogenannten Kalthalle ihres Baubetriebshof mit einer Photovoltaikanlage ausgerüstet. Dort hat jedes der 537 Module eine Leistung von 455 Watt peak. Diese Anlage ist ebenfalls zur Eigenversorgung gedacht, die verbleibenden 20 Prozent werden eingespeist. Diese Anlage ist seit dem vergangenen November in Betrieb.

Notstromversorgung

Am Bauhof erläuterte Andreas Sunder auch den Notfallplan der Stadt Rietberg, falls es einmal zu einem längeren kompletten Stromausfall im Stadtgebiet kommen sollte. Mit Hilfe von großen Notstromaggregaten würden dann zumindest das Rathaus, der Bauhof, das Abwasserwerk sowie die Heizzentrale mit Strom versorgt. So könnte auch die große Dreifachturnhalle im Schulzentrum Rietberg beheizt werden, die dann als Sammelstelle für Bürgerinnen und Bürger diene.

Altmülldeponie

Direkt am Kleinen Kanal, der aus Rietberg bis in den Bokel-Mastholter-Hauptkanal mündet, erläuterte Andreas Sunder die geplante Renaturierung. Auf 750 Meter Länge soll der Bach aus seinem starren Korsett befreit werden, so dass er sich künftig in seinem natürlichen Bett durch die Landschaft schlängeln kann. Hintergrund ist das Erfordernis von zusätzlichem Retentionsraum. Denn gleich nebenan, auf mehr als 133.000 Quadratmetern in Richtung Mastholter Straße, will die Firma Haustechnik Karl Brand einen neuen Firmensitz bauen. Weil ein Teil des Areals aber als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen ist und die Fläche versiegelt wird, eine Ersatzlösung her, um im Falle von längeren Regenfällen ausreichend Stauraum für das Niederschlagswasser zu schaffen. Da bietet sich die Renaturierung des Kleinen Kanals an. In dem Zusammenhang verschwieg Andreas Sunder nicht, dass vor Baubeginn zunächst ein Großteil der Fläche von einer Altlast befreit werden muss. Rund 11.000 Kubikmeter Müll befinden sich dort im Boden. Der stammt aus einer Zeit von vor mehr als 50 Jahren, als man noch nicht so sorgsam mit Abfällen umgegangen ist und diese einfach vergraben hat. Gleichwohl ist die Stadt verpflichtet, diese Altlasten zu entfernen. Kostenpunkt: Mehr als drei Millionen Euro. 

  • Bürgermeister Andreas Sunder erklärte zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern aktuelle Entwicklungen in Rietberg direkt vor Ort. Foto: Stadt Rietberg
  • Frederick Wallmeyer und Axel Ringhoff, Betriebsleiter und Geschäftsführer der Firma Wiesenhof in Rietberg, erläuterten Andreas Sunder (von links) die Hintergründe für den Bau der großen Freiflächensolaranlage. Foto: Stadt Rietberg