Der Mann für die Finanzen: Kämmerer Florian Kapp

Florian Kapp steht an einer Theke im Vorzimmer im Rathaus. Neben ihm steht ein rosafarbenes Sparschwein. Akten liegen auf der Theke.
Auf das Sparschwein würde Kämmerer und Beigeordneter Florian Kapp liebend gern verzichten. Zurzeit ist es aber (symbolisch) sein täglicher Begleiter, denn die Stadt Rietberg durchläuft gerade eine freiwillige Haushaltskonsolidierung. Foto: Stadt Rietberg

Serie „Was macht eigentlich… – ein Kämmerer?“

Rietberg. Es gibt nur wenig, was Florian Kapp an seinem Job wirklich stört. Aber der Sparzwang, dem Städte und Kommunen aktuell unterliegen, ist für den Kämmerer der Stadt Rietberg alles andere als vergnüglich. „Lieber wäre mir, wenn wir für alle Ideen und Projekte ausreichend Geld hätten“, sagt Florian Kapp, der nicht nur Kämmerer, sondern auch Beigeordneter ist. So muss er aktuell immer wieder abwägen und schauen, wo das vorhandene Geld am besten investiert ist.

„Natürlich mache ich das nicht alleine, sondern in Abstimmung mit unserem Team hier im Haus und vor allem mit der Politik. Die entscheidet ja letztlich, was wir wofür ausgeben“, erklärt Florian Kapp. Besonders spannend an seinem Beruf findet der 39-Jährige die Tatsache, dass er im Rathaus quasi in allen Thementöpfen rührt und mit der Finanzbrille auf der Nase für Klarsicht sorgt, denn Geld braucht schließlich jede Abteilung. Ob Friedhof, Stadtentwicklung, Sport oder Bauen – alle müssen ihre geplanten Ausgaben bei ihm anmelden. Wenn alle ihre Wünsche geäußert haben, wird der so genannte Haushaltsplan erstellt. Er gibt die finanziellen Rahmenbedingungen vor, die sich aber im Lauf eines Jahres immer wieder ändern können. Schließlich weiß niemand, was noch passiert und wofür (ungeplant) finanzielle Mittel gebraucht werden. Auch die Einnahmen, so etwa die Höhe der Gewerbesteuer, lassen sich vorab nur grob einschätzen.

In seinem beruflichen Leben vor der Rietberger Stadtverwaltung war Florian Kapp Prüfer und Berater bei der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA). Als er Ende 2024 zum Kämmerer und Beigeordneten gewählt wurde, musste er sich ganz schön umstellen, denn: „Als Prüfer habe ich anderen Kommunen erklärt, was sie besser machen können. An der eigentlichen Umsetzung war ich in der Regel nicht mehr beteiligt. Hier bei der Stadt Rietberg kann ich Projekte selbst anstoßen und vorantreiben. Das ist etwas ganz anderes und macht mir sehr viel Spaß.“ Es sei außerdem eine Herausforderung, täglich in so viele verschiedene Themengebiete einzutauchen und mit der Finanzbrille draufzuschauen. Was ihm dabei hilft? Ganz klar: „Das gute Team hier im Rathaus. Ich kann mich in allen Fachbereichen und Abteilungen darauf verlassen, dass das operative Geschäft läuft und alle gute Arbeit leisten. Das ist unbezahlbar, auch für einen Kämmerer.“ 

Seine Ausbildung hat Florian Kapp vor Jahren übrigens ebenfalls bei der Stadt Rietberg absolviert. Er ist in Mastholte aufgewachsen, und seine Kenntnisse von Land und Leuten haben ihm die Einarbeitung erleichtert. Auf die Frage, ob er immer schon gut in Mathematik war, berichtet er: „Ich habe zumindest immer schon eine Vorliebe für Zahlen gehabt.“ Ein gutes betriebswirtschaftliches Verständnis sei ebenfalls eine wichtige Voraussetzung für den Job. Bereits als Kind habe er sich für die damals ersten Computer begeistern können, berichtet der Beigeordnete. Mindestens genau so attraktiv war für ihn auch der Fußball, den er gerne gespielt hat. In der Freizeit steht Sport für den zweifachen Familienvater weit oben auf der Prioritätenliste. Denn mit einer gewissen körperlichen Fitness lässt sich auch jeder Finanzmarathon besser bewältigen. In der Hoffnung, dass die finanzielle Durststrecke möglichst bald ein Ende findet und das Sparschwein wieder im Schrank verschwindet.