Markante Linde auf dem Friedhof verliert ihre Krone

Ein großer Baum mit reicher grüner Krone ragt in den blauen Himmel.
Die markante Linde auf dem Friedhof in Rietberg ist inzwischen bis auf den Stamm zurückgeschnitten worden. Foto: Stadt Rietberg

200 Jahre alter Baum fällt Unwetter zum Opfer

Rietberg. Der Friedhof am Johannesweg in Rietberg verliert eines seiner schönsten Wahrzeichen: Eine sehr prägnante Linde musste jetzt radikal zurückgeschnitten werden. Die jüngste Unwetterfront hat den wohl mehr als 200 Jahre alten Baum nachhaltig beschädigt. Zurück bleibt ein etwa acht Meter hoher Stamm ohne Krone.

Egal aus welcher Richtung: Die rund 27 Meter hohe Linde an zentraler Stelle des Friedhofes war von überall gut zu sehen. Dieser mächtige Baum, der aus gleich mehreren Stämmlingen bestand, war ein Hingucker. Der Stamm misst im Umfang mehr als 1,60 Meter. Im Laufe der Jahrzehnte hat er schon allerhand ertragen müssen: „Der ist bestimmt schon seit 20 Jahren vom Pilz befallen“, erklärt Tobias Keßler, Fachmann in der städtischen Abteilung Öffentliches Grün. Gleichwohl sei er daran nicht direkt eingegangen, auch dank der regelmäßigen Pflegekur durch die Fachleute. „Damit konnten wir den Pilz zwar nicht dauerhaft bekämpfen, aber den Befall durchaus eindämmen“, so Keßler. Selbst einen Blitzeinschlag vor etwa drei Jahren hat die mächtige Linde recht gut überstanden. 

„Baumpflegerisch haben wir alles Mögliche getan, um der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen“, so Tobias Keßler. Den schweren Sturmböen allerdings konnte der ohnehin schon geschwächte Baum schließlich nicht standhalten. Eine Kronensicherung hat bereits im Vorfeld das Blätterdach zusammengehalten. Sie war es wohl auch, die das totale Abbrechen eines Stämmlings, also eines mächtigen Seitenastes, der bereits im Stamm entspringt, verhinderte. Ein drei Meter langer Riss hatte einen Teil des Stammes abgespalten. Nur durch die Spanngurte in der Baumkrone wurde dieser Seitenast nach dem jüngsten Sturm noch gehalten. 

Gleich nachdem der Riss entdeckt wurde, hat ein Baumgutachter die Linde inspiziert – und als nicht mehr zu retten eingestuft. Es bestünde jederzeit die Gefahr, dass Teile des Stammes oder schwere Äste zu Boden fallen. Das birgt eine nicht unerhebliche Gefahr für Friedhofsbesucher. Deshalb wurde noch am gleichen Tag eine Fachfirma beauftragt, um an der so mächtigen Linde einen Kronensicherungsschnitt durchzuführen. Der Baum wurde bis auf den Stamm zurückgeschnitten. Stück für Stück, Ast für Ast wurde der Baum in kleine Teile zerlegt und noch an Ort und Stelle im Häcksler zerkleinert. Immerhin wird der verbleibende Stamm auch in geringerer Höhe bereits wieder austreiben. Das ist ein Zeichen, dass die Linde nicht tot ist und in irgendeiner Form weiterleben wird. Es kann sich sukzessive eine neue Baumkrone entwickeln – doch das wird Jahrzehnte dauern. 

Gleichwohl haben Tobias Keßler und seine Kollegen sich die Entscheidung nicht leicht gemacht; und diese nicht allein getroffen. Denn für diesen besonderen Baum – und einige weitere – läuft derzeit ein Antragsverfahren, den Baum als Naturdenkmal einzustufen. Deshalb hat Keßler mit der Unteren Naturschutzbehörde Rücksprache gehalten, also dem Kreis Gütersloh. „Das Verfahren ist schon weit fortgeschritten und es fehlt lediglich eine letzte Zustimmung“, erklärt Heike Bennink, Abteilungsleiterin für das Öffentliche Grün in der Stadt Rietberg. Wie es nun weiter geht, ist zunächst offen. 

Eine große Linde an der einstigen Gaststätte Mumpitz in Neuenkirchen ist ein Beispiel für ein bereits anerkanntes Naturdenkmal im Stadtgebiet. 

Rund 45 kleine und große Bäume hat der Sturm am Wochenende umstürzen lassen. Auf dem gleichen Friedhof ist ein Amberbaum umgestürzt. Im Bereich Große Höppe sind gleich mehrere Pappeln umgekippt. Am Gallenweg ist eine Eiche komplett entwurzelt worden. Selbst eine größere mehrstämmige Weide am Rande des Emsradweges hat die Sturmböen nicht überstanden. Teilweise hat die Freiwillige Feuerwehr in einem ersten Schritt die Straßen freigeräumt. Im Nachgang sind es nun die Mitarbeiter des städtischen Bauhofes und zusätzlich mehrere Fremdfirmen, die die umgestürzten Bäume entfernen. Dort wo es möglich ist, will die Stadt die Bäume zu gegebener Zeit ersetzen.

  • Mit Hilfe eines Hubsteigers haben Arbeiterinnen und Arbeiter die alte Linde mit einer Motorsäge Ast für Ast beschnitten. Foto: Stadt Rietberg