
Serie: »Was macht eigentlich ...? - ein Baumkontrolleur?«
Rietberg. Angefangen hat er mit den ganz kleinen, mit Topf- und Balkonpflanzen. Inzwischen hat er mit den ganz großen Pflanzen zu tun: meterhohen Bäumen, die an Straßenrändern stehen. Und die hat er genau im Blick: Markus Hökenschnieder arbeitet bei der Stadt Rietberg als Baumkontrolleur. Und in Rietberg und den Stadtteilen gibt es viele Bäume. Es gibt also immer eine Menge zu tun.
Erlernt hatte Markus Hökenschnieder zunächst den Beruf des Zierpflanzengärtners; in der Folge hat er als Friedhofsgärtner und im Landschaftsbau gearbeitet. Als er im Jahr 2012 zur Baubetriebsabteilung der Stadt Rietberg kam, hat er sich dort unter anderem um die Baumpflege gekümmert. Mit dem Wechsel in die Abteilung Öffentliches Grün, zu der auch die Friedhofsverwaltung gehört, folgte auch eine berufliche Fortbildung zum Baumkontrolleur. Inzwischen ist der Stadtmitarbeiter sowohl mit den Baumkontrollen und Aufgaben rund um den Friedhof als auch mit der Organisation der Grünflächenpflege beschäftigt. Daher hilft zusätzlich ein externer Baumkontrolleur, damit die anfallenden Arbeiten auch zu schaffen sind.
Dabei wird zu allererst auf die Standfestigkeit geachtet. „Die Verkehrssicherungspflicht hat bei uns die oberste Priorität“, sagt Markus Hökenschnieder. Wenn Äste abbrechen oder sogenanntes Totholz aus der Baumkrone auf die Straße fällt, könnten Menschen verletzt werden. Das soll natürlich nicht passieren. Um Schäden oder Krankheiten an den städtischen Bäumen frühzeitig zu erkennen, sollen alle Bäume in einem regelmäßigen Turnus begutachtet werden. Und zwar alle eineinhalb Jahre. „So sehe ich die Bäume in der Regel einmal mit und einmal ohne Laub“, erklärt der Fachmann. Bei geschädigten Bäumen können externe Baumgutachter weitergehende Untersuchungen vornehmen. In dem städtischen Baumkataster wird jede Sichtung genau dokumentiert. So lässt sich jederzeit nachvollziehen, wer welchen Baum wann begutachtet hat. In diesem Verzeichnis sind rund 15.000 Einzelbäume sowie 18 Hektar flächiger Baumbestand an Straßen in allen sieben Ortsteilen erfasst. Nur die städtischen Bäume beziehungsweise die auf den städtischen Grundstücken wohlgemerkt. Darüber hinaus gibt es viele Bäume, Baumreihen und Wälder auf privatem Grund. Für die ist immer der jeweilige Eigentümer verantwortlich. Im Schadensfall greifen Versicherungsunternehmen gern auf die Dokumentationen der Baumkontrolleure zurück.
Es ist die Abwechslung, die Markus Hökenschnieder an seiner Tätigkeit so mag: Er sitzt sowohl am Schreibtisch, um Dinge vor- und nachzubereiten. Der 44-Jährige ist aber eben auch viel draußen. Wenn er Bäume an Ort und Stelle begutachtet, kommt der Baumfachmann immer wieder auch mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch. „Viele Bürger wünschen sich Bäume im Stadtgebiet“, weiß Hökenschnieder aus vielen Unterhaltungen, „doch es gibt auch Anwohner, die Bäume eben nicht vor der eigenen Haustür wünschen.“ Klar: Bäume machen Arbeit. Sie verlieren Laub, welches auf den Gehweg oder in private Gärten fällt. Sie wachsen oft sehr hoch – nicht immer zur Freude der Bürgerinnen und Bürger. „Wenn ich Ihnen erkläre, warum wir nicht alle Bäume regelmäßig beschneiden oder unliebsame Bäume gar entfernen können, haben die meisten dann aber doch Verständnis“, sagt der Rietberger Baumexperte. Große, radikale Schnitte können das empfindliche Gleichgewicht von Bäumen stören. Sie öffnen das Holz für Pilze, weshalb tiefgreifende Eingriffe oft mehr Schaden als Nutzen anrichten. Einmal beschnitten, treiben Bäume an diesen Stellen meist noch stärker aus als zuvor: Der Laubwuchs nimmt weiter zu; ein nicht enden wollender Kreislauf würde in Gang gesetzt. „Falls wir doch einmal einen Baum entfernen müssen, etwa, weil die Standsicherheit gefährdet ist, dann pflanzen wir auch einen ähnlich Baum nach“, erläutert Hökenschnieder.

